Schwitzhütte - Mein erstes Mal!

Ich erinnere mich noch sehr gut an meine erste Schwitzhütte zur Wintersonnenwende 2000. Es war ein äußerst kalter Winter mit Außentemperaturen von bis zu Minus 10 Grad Celsius. Der Boden war gefroren.



Die Zeremonie begann im Haus, wo wir in einem großen Raum im Kreis saßen. Ingo Thomas, der Schwitzhüttenleiter, erläuterte uns die Absicht und den Ablauf der Zeremonie. Ich hatte noch keinen Kontakt zur Nordamerikanischen Kultur und vieles hörte sich fremd an. Ja, ich war auch etwas unsicher, denn ich wusste nicht, was mich wirklich erwarten würde. Es gab sogar einen Anteil in mir, der sich innerlich etwas lustig machte, über diese ganze Winnetou-Sache.


Dann ging es raus in die Kälte und es gab einiges zu tun. Schichtfeuer entzünden, Steine waschen und Hütte eindecken. Irgendwann, es war schon dunkel mittlerweile, gingen wir in die Hütte. Es dauerte etwas, bis alle eingetreten waren und ich war froh, als die ersten rotglühenden Steine ins Feuerloch gegeben wurden. Sie sahen aus, wie kleine Sonnen und an ihren Oberflächen funkelten tanzende Sterne. Ingo kam als Letzter hinein. Noch ein paar Steine und der Eingang wurde verschlossen.



Samtschwarze Dunkelheit und gedämpfte Stille bestimmten nun mein Sein für die nächsten zwei Stunden. Ingo begann das Gebet der 13-Pipe-Fill zu sprechen, mit dem alle uns wohl gesonnenen Kräfte aus allen Welten eingeladen wurden, um mit uns in der Zeremonie zu tanzen. Krass! Ich war nicht so sehr der mega hellsichtige Mensch, aber irgendwie hatte ich das Gefühl, es wurde immer voller in der Hütte, desto länger Ingo betete.

Das Zeitgefühl ging mir völlig verloren. Ich wusste nicht, wie lange wir mit den unterschiedlichen Gebetsrunden in der Hütte verbrachten. Die Wärme war nicht mein Problem. Doch was mir echt zu schaffen machte, war das Sitzen. Ich konnte mich nur eingeschränkt bewegen, meine Beine schliefen ein und es war ziemlich unbequem. Bevor ich “neu“ geboren wurde, wies uns Ingo noch darauf hin, auf allen Vieren krabbelnd die Hütte zu verlassen und uns Zeit zu geben, bevor wir aufstünden. Ja, ja . . . ich krabbelte raus und richtete mich zügig auf, um unmittelbar, nach dem ich mich aufrichtet hatte, mein Bewusstsein zu verlieren.



Ich fiel um wie ein Baum und landete mit dem Kopf auf den gefrorenen Boden. Hinterher sah ich aus, als hätte ich mich geprügelt. Doch ich fiel voller Glückseligkeit, denn im Fallen sah ich vor meinem inneren Auge eine dunkelrot pulsierende Sphäre. Heute noch erfüllt es mich mit einem tiefen Glücksgefühl, wenn ich mich an diesem Moment erinnere. Für mich war es wie die Begegnung mit einer wohlwollenden höheren Kraft.

Seitdem habe ich an über 100 Schwitzhüttenzeremonien teilgenommen und ich kann mir nichts Schöneres vorstellen, als andere Menschen bei diesem reinigenden Naturritual zu begleiten. Der heilige Tanz von männlich (Feuer) und weiblich (Hütte) erschafft neues Leben in jedem Menschen. Er kann dich an deine Grenzen bringen und darüber hinaus. Er gibt dir die Gelegenheit, dich als Teil des großen Ganzen zu erfahren.


Alles ist vollkommen, aber noch nicht vollendet!


Dirk Kreuzer, Schwitzhüttenleiter seit 2015


PS.: Du musst nicht gleich umkippen bei deiner ersten Schwitzhütten-Zeremonie. Erwarte auch keine Vision oder sonstige spirituelle Ereignisse. Freue dich auf einen Tag in der Natur mit den Elementen (Feuer, Erde, Wasser, Luft und Äther) und gleichgesinnten Menschen.


















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